Was ist Umweltbewusstsein? Wenn du dir gerade diese Frage stellst, bist du hier genau richtig! Endlich rückt das Thema Umweltbewusstsein mehr und mehr in den Fokus der medialen Aufmerksamkeit. Neben regelmäßigen Debatten um den Klimawandel, die Luftqualität in den Städten oder die Verschmutzung der Meere durch Plastikmüll waren es auch Umweltbewegungen wie Fridays for Future, die eindrucksvoll aufzeigten, wie ausgeprägt das Umweltbewusstsein in unserer Gesellschaft und insbesondere bei jungen Menschen ist.
Doch was ist Umweltbewusstsein eigentlich aus psychologischer Sicht, wie stehen Naturverbundenheit und Verhalten eines Menschen zueinander und wie kann man das eigene Bewusstsein für die Natur verbessern?
In diesem Artikel möchte ich dir jetzt genau diese Frage beantworten und den Begriff des Umweltbewusstseins greifbarer machen. Auf geht's!
Was ist Umweltbewusstsein?
Laut Lexika setzt sich das Umweltbewusstsein zusammen aus dem Umweltwissen, den Umwelteinstellungen, den Verhaltensintentionen bezüglich der Umwelt und dem tatsächlichen Umweltverhalten eines Menschen.1
Einfach gesagt: Das Umweltbewusstsein ist die Einsicht eines Menschen in die Tatsache, dass seine natürliche Umwelt von großer Wichtigkeit für alles Leben auf der Erde ist – und dass seine alltäglichen Handlungen Einfluss darauf haben.
Umweltbewusste Menschen wissen, dass sie durch direktes oder indirektes umweltschädliches Verhalten nicht nur sensible Ökosysteme sondern auch die eigene Lebensgrundlage gefährden – und entscheiden sich dementsprechend für eine umweltfreundlichere Verhaltensweise im Alltag.
Mensch und Umwelt – Eine ewige Beziehung

In der Entwicklungsgeschichte des Menschen war die Natur jahrtausendelang Nahrungslieferant sowie existenzielle Bedrohung zugleich.
Bereits der Bau des ersten Hauses hatte den Sinn des Schutzes vor der unmittelbaren, feindlichen Umwelt. Die technischen Möglichkeiten, sich gegen die Natur schützen und behaupten zu können, wuchsen über die Jahrtausende.
Gleichzeitig wurde auch das Selbstvertrauen des Menschen immer größer, die Natur beherrschen, kontrollieren und verändern zu können. Diese Entwicklung gipfelte in der industriellen Revolution, die ein beispielloses Zeitalter menschenverschuldeter Umweltkatastrophen einläutete, wie sie die Welt noch nie zuvor gesehen hatte.
Insbesondere im 19. Jahrhundert war es ein politischer Leitsatz, sich die Natur untertan machen zu wollen, was sich zum Beispiel in den zahlreichen Begradigungen und Trockenlegungen von Flüssen zeigte, die bis heute massive bleibende Schäden hinterlassen haben.
In den letzten Jahrzehnten ist das Umweltbewusstsein jedoch mehr und mehr gestiegen und mittlerweile ist es zumindest politisch und gesellschaftlich akzeptiert, den Umweltschutz als wichtig zu bewerten. Dies zeigte auch diese Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamtes für das Jahr 2022.
Laut der Umfrage zählen 57 Prozent der Teilnehmer:innen Umwelt- und Klimaschutz zu den wichtigsten gesellschaftlichen Herausforderungen. Außerdem findet eine große Mehrheit, dass wichtige Akteure wie Bundesregierung und Industrie nicht genug für den Umwelt- und Klimaschutz tun.
Mit dem derzeit stattfindenden (Stand: 2025) globalen Rechtsruck und dem Ukraine-Krieg ist das Thema Naturschutz leider deutlich in den Hintergrund geraten. Darüber, ob und wie sehr dies Einfluss auf das Umweltbewusstsein der Menschen hat, können wir derzeit nur spekulieren.
Tipp: Schau dir unbedingt die Tipps für Klimaschutz im Alltag an, wenn du selbst mit einfachen Mitteln Teil der Lösung im Kampf gegen die globale Erwärmung werden möchtest.
Umweltschädliches Verhalten trotz hohem Umweltbewusstsein?
Es klafft ein großes Loch zwischen dem, was Menschen über ihr Umweltbewusstsein sagen, und dem, wie sie sich tatsächlich verhalten. In vielen Fällen kann man sogar vom kompletten Gegenteil sprechen.
Ein Beispiel: Über 70 Prozent der Deutschen würden gern nachhaltiger reisen – dennoch setzen dies nur 7 Prozent auch in die Tat um.2
Das Flugzeug ist trotz günstigerer und umweltfreundlicher Alternativen nach wie vor das präferierte Verkehrsmittel. Fleisch ist trotz umweltfreundlicherer, gesünderer und hochwertigerer Ersatzprodukte (und unzähligen veganen Rezepten) weiterhin bei vielen auf dem Teller. Und dass alles trotz nachhaltiger Schamgefühle wie der „Flugscham“ oder der „Fleischscham“.
Doch welche psychologischen Gründe gibt es für diese Diskrepanz? Warum haben so viele Menschen offensichtlich ein hohes Umweltbewusstsein, setzen dies jedoch nicht in ihrem Alltag um? Die Motive dafür sind vielfältig. Im Folgenden möchte ich dir vier von ihnen vorstellen.
1. Low-Cost Effekt
Der Low-Cost Effekt in der Psychologie besagt, dass Menschen vor allem dann bereit sind ihr Verhalten zu ändern, wenn sie dafür auf wenig verzichten müssen und die Veränderung möglichst wenig zusätzlichen zeitlichen, organisatorischen und finanziellen Aufwand für sie bedeutet.
Ein Beispiel dafür ist die klimafreundliche Mobilität: Während die Umstellung vom Auto auf öffentliche Verkehrsmittel, Fahrrad oder Roller für Stadtbewohner:innen häufig problemlos möglich ist, haben Landbewohner:innen oft gar keine andere Möglichkeit, als mit dem Auto von A nach B zu kommen.
Ein weiteres Beispiel sind Bio-Lebensmittel, die häufig teurer als herkömmliche Lebensmittel und damit längst nicht für alle Menschen bezahlbar sind.
2. Soziale Erwünschtheit
Der psychologische Effekt der sozialen Erwünschtheit ist eine bekannte Verzerrung in der Forschung und Evaluation und sorgt regelmäßig für fehlerhafte Studienergebnisse. Er besagt, dass Menschen zu dem Verhalten neigen, das sie für eine sozial erwünschte Norm halten.
Der Schutz der Natur ist eine solche Norm – sich dagegen auszusprechen wäre kontrovers. Darum ist zu erwarten, dass sich Studienteilnehmer:innen auch in Umfragen als umweltbewusst darstellen. Selbst, wenn es gar nicht ihrer persönlichen Meinung entspricht. Dieser Effekt ist den Studienteilnehmer:innen dabei meist gar nicht bewusst.
3. Die Macht der Gewohnheit
Veränderungen im Leben fallen vielen Menschen schwer – das kennen wir alle. Auch beim Umweltbewusstsein ist es in vielen Fällen schlicht die Macht der Gewohnheit, die Menschen daran hindert, ihr Verhalten dem eigenen Umweltbewusstsein entsprechend anzupassen.
Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn man vergisst, regelmäßig die Heizung abzudrehen, wenn man Lebensmittel in unnötigen Plastikverpackungen kauft oder mal wieder eine sehr kurze Strecke mit dem Auto zurücklegt.
4. Selbstwirksamkeitserwartung
Die Selbstwirksamkeit spielt eine Schlüsselrolle in der psychologischen Verhaltensforschung. Sie bezeichnet die Erwartung einer Person, mittels eigener Kompetenzen eine Handlung erfolgreich selbst ausführen zu können.
Vereinfacht gesagt bedeutet das: Menschen, die daran glauben, selbst etwas bewirken zu können, haben eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung.
Auch in Bezug auf umweltbewusstes Verhalten spielt dies eine große Rolle. Schließlich sind viele Menschen der Überzeugung, selbst nichts für das allgemeine Umweltbewusstsein tun zu können. Stattdessen wird die Verantwortung eher an Politik und Wirtschaft weitergegeben.
Wie kann man das eigene Umweltbewusstsein fördern?
Die Frage nach einer Verbesserung des Umweltbewusstseins wirft zugleich die Frage auf, wer denn für das Umweltbewusstsein verantwortlich ist und wer in der Lage ist, tatsächlich etwas für die Umwelt zu tun.
Wir haben bereits gesehen, dass es Menschen aus vielerlei psychologischen Gründen häufig schwerfällt, ein umweltbewusstes Alltagsleben zu führen. Auch in der Politik wurde dies erkannt. Man ist in den letzten Jahren mehr und mehr von einem „individualpolitischen“ Absatz abgerückt, bei dem Menschen von der Dringlichkeit des Umweltschutzes überzeugt werden sollen, und hat sich stattdessen dem Einsatz ökonomischer Maßnahmen zugewandt.
Bei den entsprechenden Instrumenten wird umweltfreundliches Verhalten mit ökonomischem Mehrwert belohnt. Das macht es für viele Menschen attraktiver, dem auch tatsächlich Folge zu leisten. Anreize für umweltfreundlicheres Verhalten liefern zum Beispiel Zuschüsse für Photovoltaik-Anlagen oder Emissionszertifikate.
Besonders bei Unternehmen steigt durch positive wirtschaftliche Anreize die Akzeptanz für Naturschutzmaßnahmen. Kein Wunder, denn sobald mit Naturschutz Geld verdient werden kann, wird die Erhaltung und Förderung der Umwelt ins wirtschaftliche Kalkül integriert und von einem möglichen Hemmnis zu einer zusätzlichen wirtschaftlichen Chance.
So kündigte auch der weltweit größte Finanzverwalter Blackrock im Jahr 2020 an, Unternehmen künftig nach Klimarisiken zu bewerten und Unternehmen, die Kohle fördern, teilweise aus den Portfolios zu eliminieren. Ein Zeichen, das auf eine positive Entwicklung schließen ließ. Im Jahr 2025 stiegen sie nun aber aus dem Klimabündnis „Net Zero Asset Managers Initiative“ (NZAMI) aus. Angeblich aus rechtlichen Gründen, aber vermutlich eher, weil Klimaschutz aktuell keine große mediale Aufmerksamkeit bekommt.
Politik und Wirtschaft schaffen aber grundsätzlich auch Rahmenbedingungen, die Umweltschutz in den Alltag und die Lebenswirklichkeit der Menschen integrieren. Letztendlich ist es jedoch an jedem Einzelnen, den eigenen Alltag in Einklang mit dem Umweltschutz zu bringen.
Tipp: Wenn du wissen möchtest, wie man Umweltbewusstsein gezielt fördern kann – zum Beispiel im Kindesalter – dann schau dir unbedingt den verlinkten Beitrag an.
Wie kann jeder umweltbewusst leben?

Um den Einklang zwischen eigenem Umweltbewusstsein und dem Handeln zu verbessern kann es hilfreich sein, sich die Zusammenhänge vor Augen zu führen, die unseren Planeten „am Laufen halten“.
Wie hängt der CO2 Ausstoß eines Autos mit der allgemeinen Klimaerwärmung zusammen? Woher kommt die Plastiktüte im Supermarkt und wo landet sie nach dem Wegwerfen? Dinge zu hinterfragen und neugierig zu sein, erzeugt Verständnis und ein größeres Bewusstsein. Es kann auch helfen, selbst etwas anzupflanzen, um die Wertschätzung für die biologischen Kreisläufe zurückzugewinnen.
Neben meinem Buch „Nachhaltig leben für Einsteiger“ (gibt's hier*) können auch die folgenden, weiterführenden Beiträge dein Umweltbewusstsein fördern:
- Umweltprobleme unserer Zeit
- Dokus über Massentierhaltung
- Gründe für pflanzliche Ernährung
- Garten nachhaltig gestalten – Tipps & Tricks
- Plastikfrei leben – So geht's
- Umweltschutz mit Kindern
- Nachhaltig Autofahren
- Zero Waste für Einsteiger
- Nachhaltig konsumieren – So geht's
Tipp: Schau dich gern noch mehr im Umweltschutz Blog um! Dort findest du ein Füllhorn an Inspiration für einen umweltbewussteren Alltag.
Durch das eigene Handeln – und seien es nur kleine Veränderungen – kann man anderen als positives Beispiel dienen. Dabei sollte man jedoch darauf achten, nicht mit dem erhobenen Zeigefinger andere Menschen belehren zu wollen. Vielmehr sollte der Spaß am umweltbewusstem Lebensstil im Vordergrund stehen. Es sollte einem ein Lächeln ins Gesicht zaubern, zu zeigen, dass umweltbewusstes Handeln und das minimalistischere Leben auch ein Mehr an Verbundenheit und Lebensfreude bedeutet.
Zudem kann man sich auch in Verbänden engagieren oder Petitionen ins Leben rufen und so auch auf politischer Ebene eine Veränderung anstreben.
Umweltbewusstsein ist wichtig – vor allem für unsere Zukunft
Lange Zeit waren wir als Menschen der Natur ausgeliefert. Seit einigen Hundert Jahren haben wir technische Möglichkeiten, die Natur beherrschen und kontrollieren zu können. Zumindest bis zu einem gewissen Grad.
Dabei vergessen wir häufig, dass wir selbst ein Teil der Natur sind und uns mit ihrer Zerstörung auch unsere eigene Lebensgrundlage entziehen.
„Wir leben in einem gefährlichen Zeitalter. Der Mensch beherrscht die Natur, bevor er gelernt hat, sich selbst zu beherrschen.“
Albert Schweitzer (mehr unter Nachhaltigkeit Zitate)
Eine intakte Umwelt mit klarem Wasser, sauber Luft, gesunden Böden und einer Vielfalt an Tier- und Pflanzenarten ist für unser Wohlbefinden und unsere Lebensqualität von entscheidender Bedeutung. Nur der Natur selbst ist es vermutlich völlig egal, ob es uns Menschen gibt. Sie würde auch ohne uns weiter existieren.
Es liegt also an uns allen, etwas zu tun und sich einzusetzen. Dementsprechend möchte ich dir abschließend noch diese weiterführenden Bücher rund um die Themen Umweltbewusstsein und nachhaltiges Handeln ans Herz legen:
- Umweltbewußtsein und Umweltverhalten von Udo Kuckartz (gibt's hier*)
- Nachhaltig leben für Einsteiger von mir selbst (gibt's hier*)
Hast du Fragen, Anregungen oder eine eigene Definition vom Umweltbewusstsein, die du teilen möchtest? Dann freue ich mich auf deinen Beitrag.
Bleib‘ umweltfreundlich,

PS: Schau dir unbedingt mal meine besten Zero Waste Tipps an. Die gezielte Müllvermeidung ist nämlich ein Schlüssel zu einem umweltbewussteren Verhalten.
Quellenangaben:
- E. Günther; Springer Gabler: Umweltbewusstsein, abrufbar unter https://wirtschaftslexikon.gabler.de/definition/umweltbewusstsein-49273. [26.02.2025]. ↩︎
- Norddeutscher Rundfunk; Tagesschau: #kurzerklärt: Nachhaltiges Reisen – wie geht das?. YouTube, 28.06.2019, Web, 26.02.2025 um 07:53 Uhr, in: https://www.youtube.com/watch?v=_ey0VzJqI8Y. ↩︎